¿nos miramos?
eine Intervention von Thomas N Pauli


¿nos miramos?
sehen wir uns? – wir sehen uns? - wie sehen wir uns?

Ursprünglich sollte diese Reflexion über das yo, tú, él, ella … welches die Gemeinschaft formt, als Ausstellung (einer Installation mit Spiegeln) in einem Museum stattfinden. Da die inhaltliche Auseinandersetzung im Rahmen der Installation jedoch die Gemeinschaft als Ganzes betrifft, war mir bald klar, dass sie nur dort ihre wahre Berechtigung hat, wo sie auch all jene Menschen erreicht, welche eine Gemeinschaft ausmachen.

Bei meinem Weg durch die Stadt sind mir die vielen zur Straße hin offenen ‘peluquerías’ / Friseure aufgefallen, in denen mehr oder weniger bewusst täglich jene Selbstreflexion stattfindet, die ich im Rahmen meiner künstlerischen Intervention einfordern will. Was lag also näher als die Intervention und die damit verbundene Auseinandersetzung mit dem Ich, der Gemeinschaft und der Kunst als inhaltlicher und äußerlicher Bestandteil derselben direkt dorthin zu verlegen, wo bereits eine Plattform dafür besteht und auch als solche genutzt wird.

Dem Spiegelbild wird durch eine Bezeichnung in Form von auf den Spiegel in Brusthöhe aufgebrachten Klebebuchstaben ein Platz in der Gemeinschaft zugewiesen. Das Ich ist aufgefordert, sich als yo, tú, él, ella … zu betrachten und zu reflektieren.

Parallel dazu ist jeder Kunde dabei, sein Äußeres mit Hilfe des Friseurs anzupassen, zu verändern oder gar neu zu definieren. Warum also nicht den Anlass nützen und auch die eigene Position in der Gemeinschaft neu überdenken, verändern oder anpassen... Jeder ist aufgefordert, sich in diesen Prozess mit seinem Spiegelbild einzulassen, bzw. auch den kommunikativen Rahmen, den jeder Frisiersalon bietet, für eine Diskussion zu nützen.

Um die Reflexion über den Rahmen der Gemeinschaft einer Region, einer Sprache oder eines Kulturkreises hinaus auf die globale Gemeinschaft, welcher wir alle angehören, sichtbar auszudehnen wurde die Sprache gegenüber der ersten Realisierung des Projekts im Dezember 2002 in Trujillo / Peru bei der Realisierung in Wien nicht verändert. Fremdes mischt sich so in Vertrautes – ordnet neu zu und fordert auf, uns zu bekennen.

Kunst heißt für mich Fragen stellen und einen gestalterischen Rahmen für ihre Reflexion zu schaffen. Dabei ist für mich wichtig, dass die Auseinandersetzung auch dort passiert, wo die Fragestellung thematisch angesiedelt ist. Eine Kunst, die sich sozialen Themen nur aus der Distanz des Ausstellungsraumes widmet, verliert bald ihre Berechtigung. Nur so stelle ich mich als Künstler, stelle ich mich meinem Spiegelbild und damit der Reflexion.